Rezension: P.J. Tracy–Todesnähe

tracy_978-3-86252-031-2Ein Gruppe junger Indianermädchen wird Nachts aus ihrem Reservat entführt und nach Minneapolis gebracht. Kurz vor dem Ziel kann eines der Mädchen fliehen, doch weit kommt es nicht. Die Detectives Magozzi und Rolseth starten ihre Ermittlungen bis es plötzlich zu mehreren Morden im sogenannten “Little Mogadishu” einem Stadtteil der hauptsächlich von Somaliern bewohnt wird, kommt. Im Haus der getöteten Somalier finden die Ermittler die entführten Indianermädchen aber das Morden ist noch nicht vorbei. Immer mehr Leichen tauchen auf und immer seltsamer werden die Zusammenhänge zwischen den Morden. Währenddessen versucht die Monkewrench-Crew herauszufinden wer es auf ihren Freund und ehemaligen FBI-Agent John Smith abgesehen hat, der nur knapp einem nächtlichen Attentat auf seinem Schiff entkommen konnte. Durch ihre Ermittlungen stehen aber auch sie bald auf der Abschussliste und auch Magozzi und Rolseth kommen der Gefahr näher als ihnen lieb ist.

“Todesnähe” ist der sechste Fall der Monkewrench-Crew und der erste Thriller von P.J. Tracy für mich. Hinter dem Autorenpseudonym versteckt sich ein Duo aus Mutter und Tochter, die gemeinsam Romane schreiben. “Todesnähe” merkt man nicht an, dass es von zwei Generationen geschrieben wurde. Es liest sich sauber und flüssig und an keiner Stelle ist erkennbar, dass es aus der Feder von zwei verschiedenen Autoren stammt.

Leider bleiben die vielen, teilweise starken Charaktere etwas farblos und sehr oberflächlich. Es könnte sein, dass ein Leser, der die vorherigen fünf Fälle dieser Reihe gelesen hat widersprechen würde, aber beurteilt an meinem Einstieg mit “Todesnähe” erfährt man nur sehr wenig über die Verbindung der einzelnen Charaktere und deren Hintergründe. So ist z.B. Grace McBride, ein Teil der Monkewrench-Crew, ein starker Charakter im Buch. Allerdings kann man nur erahnen, dass zwischen ihr und Magozzi (ebenfalls ein starker Charakter ohne wirkliche Tiefe) eine stärkere Bindung besteht. Auch erfährt man nichts über den Auslöser ihrer Ängste. Überhaupt macht die Monkewrench-Crew einen seltsamen Eindruck. Als IT-Experten helfen sie der Polizei und dem FBI bei Ermittlungen zu Internetkriminalität. Als Grace zwei Menschen erschießen muss ist sie und die ganze Crew unglaublich geschockt und erschüttert. Auf der anderen Seite sind sie aber knallhart und machen Schießübungen auf Mücken. Mal ist Grace die angsterfüllte Verletzliche und dann wieder die harte, selbstbewusste Anführerin. Der Leser erfährt nie genau wie es um die Charaktere wirklich steht. Dadurch fällt es schwer sich mit ihnen zu identifizieren und in die Story zu finden. Außerdem sind es zu viele, und vor allem zu viele starke Persönlichkeiten, die in “Todesnähe” auftreten. Man verliert ob der vielen Stränge, und zu Anfang unzusammenhängenden Handlungen, etwas den Überblick und die oberflächlichen Charaktere machen es nicht leichter.

Die Story an sich hätte dabei durchaus vielversprechend sein können. Doch manchmal ist weniger einfach mehr. Hätten sich die Autorinnen auf eine Sache etwas stärker konzentriert, wäre die Geschichte sicherlich noch spannender und es wäre ein echter Pageturner herausgekommen. Exemplarisch dafür möchte ich eine Szene ganz am Ende des Buches hervorheben (ohne zu viel verraten zu wollen), eine Art Showdown mit Schießerei, Belagerung etc. Hier wird alles auf wenigen Seiten beschrieben, was der Höhepunkt der Spannungskurve sein sollte. Lieber hätte man den Anfang um 20 Seiten gekürzt und an diesem Punkt deutlich mehr investiert. Es muss ja nicht immer ein Gemetzel und super blutig sein aber ein bisschen mehr darf man sich dann doch erwarten.

Auf dem Buchrücken prangt das Zitat des Focus: „Knallhart und gut – diese Reihe gehört zum Besten, was das Genre zu bieten hat!“

Das kann ich wirklich nicht unterschreiben. Eher muss man hier von einem schwachen Thriller sprechen, der mit farblosen unendlich vielen Charakteren ein einfühlen schwierig macht und eine vielversprechende aber dann viel zu schnell und lieblos verfasste Story verschwendet.

3/5 Sterne.

VÖ: 01.09.2012, Verlag: Rowohlt Polaris, Preis: 14,95€ (D), 15,40€ (A)

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Interview mit Traci Lamprecht (englisch): http://www.kare11.com/today/article/987058/449/New-page-turner-from-mother-daughter-writing-duo-PJ-Tracy