Jonathan Kellerman – Der Pathologe


Der Pathologe

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Nachdem seine Freundin Jocelyn ermordet wurde, versucht der Psychologe Jeremy Carrier sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und beginnt eine Beziehung mit der jungen Angela. Dann erhält er mysteriöse Botschaften, die ihn auf die Spur von Jocelyns Mörder bringen sollen. Als Jeremy das Rätsel gelöst zu haben glaubt, verschwindet Angela spurlos …

Langatmig am Anfang, fesselnd zum Schluss

Ich muss ehrlich zugeben, dass das Buch auf mich am Anfang keinen interessanten Eindruck gemacht hat.

Das Cover, meiner Meinung nach eines der wichtigsten „äußeren“ Dinge eines Buches, ist schlicht und ergreifend langweilig, trist, öde und hat in keinster Weise einen Bezug zum Inhalt. Ich musste sogar mehrmals hinschaun und das Cover sehr genau betrachten, bevor ich erkennen konnte um was es sich da überhaupt handelt.

Aber nun gut, es geht ja um mehr als nur das äußere Erscheinungsbild. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass man sich so richtig in die Hauptfigur fühlen konnte. Ein Arzt, Psychologe, dessen geliebte Freundin von einem Serienmörder abgeschlachtet wird und dann verdächtigt die Polizei auch noch den Arzt selbst. Ein Horror! Man kann sehr gut mitfühlen wie gestresst, traurig und mitgenommen der Psychologe ist.

Dann versucht der alte Dr. Chess, seines Zeichens Pathologe, mit ihm ins Gespräch zu kommen, was von Jeremy, dem Psychologen, nicht gerade begrüßt wird. Er wäre lieber allein, ein Einzelgänger.

Bis zu diesem Punkt war das Buch teilweise sehr schleppend und langatmig. Ich hatte schon Zweifel, dass es noch besser werden würde, doch dann wird Jeremy von Dr. Chess zum Abendessen mit einem Haufen seltsamer Bekannter eingeladen und ab diesem Punkt beginnt die Story spannend zu werden.

Kellerman beginnt damit langsam und sehr behutsam Verdachtsmomente zu streuen und tröpfelt dem Leser und damit auch Jeremy einen Hinweis nach dem andern hin. Geradezu genial sind die scheinbar zusammenhanglosen, seltsamen Zeitungsartikel die Jeremy bekommt, während Dr. Chess auf Reisen ist. Stück für Stück setzt sich ein Bild zusammen und es wird dem Leser überlassen wen er für den Mörder hält.

Am Schluss wird die Spannung nahezu unerträglich. Ein Hinweis folgt dem nächsten, die Puzzle-Teile setzen sich zusammen und Jeremy beginnt zu begreifen. Mit diesen überraschenden Wendungen kann der Leser nicht rechnen und es ist verblüffend wie alles zusammenhängt. Etwas vollmundig fand ich im Nachhinein das im Klappentext erwähnte, plötzliche Verschwinden von Angela, Jeremys neuer Freundin, denn so plötzlich und vor allem so bedrohlich, habe ich das Verschwinden garnicht empfunden. Es wird, wie ich finde, nur am Rande und nicht wirklich spannungsfördernd erwähnt.

Neben all dem sieht man wie Jeremy wieder neuen Lebensmut schöpft und mit Angela, seiner neuen Liebe, glücklich ist. Ab und zu hat man ein wenig Angst um die Beziehung der beiden, denn sie arbeiten viel und sind sehr gestresst. Das sind die Tücken des Arztberufes, die Kellerman sehr gut beschreibt. Es ist also durchaus auch für alle Romantiker etwas dabei.

Insgesamt fand ich das Buch doch gelungen. Ein paar Kleinigkeiten haben mich gestört, wie beispielsweise der langatmige Anfang und die teilweise wirklich häufig gebrauchten unnötigen medizinischen Fachbegriffe. Ohne die wäre es sicher auch glaubwürdig genug geworden. Der Schluss entschädigt allerdings, denn da kommt man um zerknabberte Fingernägel nicht herum. Alles in allem ein gelungener Psychothriller ohne unnötige Beschreibungen von Gemetzel, Mord und Totschlag, den ich jedem Thriller-Fan ans Herz legen kann!