Feuerzeit – Jeffery Deaver mit angezogener Handbremse

Jeffery Deaver mit angezogener Handbremse

John Pellam ist Dokumentarfilmer und möchte einen Film über Hell’s Kitchen drehen, einen Stadteil von New York, doch als plötzlich das Haus, in dem Pellam viele Interviews geführt hat, vor allem mit Ettie Washington, in Flammen aufgeht ändert sich alles.
Die über 70 Jahre alte Ettie Washington wird verdächtigt einen Brandstifter bezahlt zu haben, um die Versicherung zu betrügen und wird verhaftet.
Pellam glaubt nicht an die Schuld der alten Dame und beginnt damit, selbst Nachforschungen anzustellen.

Dabei bewegt er sich die ersten 200 Seiten nur langsam durch die Story und irgendwie findet man keinen richtigen Draht zu ihm. Man ist verwirrt über die Beteiligung der alten Frau und deshalb will auch so recht kein Mitleid aufkommen, als diese im Gefägnis ins Fadenkreuz ihrer Mithäftlinge gerät und daraufhin in Einzelhaft genommen wird. Pellam kehrt immer wieder zum abgebrannten Haus zurück, verfolgt Spuren die am Ende doch im Sand verlaufen und stellt eine Theorie nach der anderen auf, die sich recht schnell als Unsinn entlarvt.
Die scheinbar unfähige Feuerpolizei versucht mit allen Mitteln Ettie zu verurteilen, weil für sie der Fall ziemlich klar ist und nach und nach verschwinden alle Zeugen, die Pellam irgendwie helfen könnten das Gegenteil zu beweisen.

Erst auf den letzten 100-150 Seiten beginnt ein wenig Dynamik in die Story zu kommen. Zusammen mit Etties Anwalt kommt Pellam dem wahren Geheimnis der Brandstiftungen langsam aber sicher auf den Grund ohne zu wissen, dass er mittlerweile selbst zum Ziel geworden ist. Dann geht alles ganz schnell und es fällt etwas schwer den ganzen Wendungen zu folgen. Wie die Story am Ende ausgeht, ob Pellam überlebt und der Brandstifter gefasst wird und warum sich sogar der Gouverneur in Lebensgefahr befindet und es am Schluss gar nicht um einen Dokumentarfilm geht das lesen Interessierte am besten selbst!

Ich denke ich brauche nicht zu wiederholen, dass ich eigentlich ein großer Deaver Fan bin. Mit „Feuerzeit“ hatte ich allerdings meine Schwierigkeiten. Nicht nur, dass ich mich fast zwingen musste das Buch fertig zu lesen, weil ich es stellenweise so langweilig fand, auch zum Protagonisten hatte ich nicht wie üblich einen guten Zugang. Normalerweise zeichnen sich Figuren von Deaver vor allem durch ihren komplexen Charakter und ihre Tiefe aus, was mir persönlich hier aber gänzlich fehlte. Berühmt ist Deaver auch für seine verblüffenden Wendungen, die hier zwar vorhanden aber eher lustlos und konstruiert wirken. Der Protagonist schreint am Anfang von sich selbst gelangweilt zu sein und schlürft etwas unmotiviert durch die Gegend. Erst am Ende dreht er auf und beginnt logisch zu kombinieren und seinen Biss zu finden. Auch der Täter und seine Motive gefallen wenig.

Insgesamt würde ich nur 3 von 5 Sterne vergeben, denn für mich macht es den Eindruck als hätte Deaver selbst ein wenig mit der Story zu kämpfen gehabt und wäre die ersten 200 Seiten ähnlich unmotiviert gewesen, wie sein Protagonist Pellam. Vielleicht ist das der Grund weshalb Randomhouse „Feuerzeit“ zusammen mit „Ein tödlicher Plan“ in einem Buch für nur 8€ verkauft?!