Christoph Scholder – Oktoberfest

Vor einiger Zeit war ich in der Buchhandlung und bin über dieses Buch gestolpert. Zuerst dachte ich, dass es sich dabei um ein Buch ÜBER das Oktoberfest handeln würde und es wäre im Bereich Thriller/Krimi nur falsch eingeordnet. Dann las ich den Klappentext und wurde eines besseren belehrt. Trotzdem riss mich das Buch vom Design, Klappentext, etc. nicht wirklich vom Hocker. Ich dachte mir „Hmm…ein deutsches Buch über Terror und Angst auf dem Münchner Oktoberfest? Lieber nicht!“. Doch in den nächsten Wochen wurde das Buch mit Lob überschüttet und als Droemer Knaur anbot mir das ganze zukommen zu lassen, hab ich natürlich nicht nein gesagt!

Und das war auch gut so! Denn das was mich da auf rund 600 Seiten erwartet hat ist mit Abstand das beste, das ich seit einiger Zeit gelesen habe.

Die Geschichte beginnt ganz harmlos mit der Erzählung über Karl Romberg, der in München ein Transportunternehmen betreibt. Als sich ein junger, engagierter Mann namens Werner Vogel bei ihm bewirbt beginnen die Beiden zusammen das Geschäft immer weiter auszubauen und werden in den nächsten Jahren sehr erfolgreich. Der Erfolg reicht so weit, dass sie irgendwann für den größten Gastronomen des ganzen Oktoberfestes die Lieferung der Lebensmittel übernehmen.

Was im ersten Jahr schon gut geklappt hat, sollte im 2. Jahr doch kein Problem sein?! Doch es kommt ganz anders! Eine russische Spezialeinheit die vor vielen Jahren ausgebildet wurde, um in Deutschland verdeckt zu operieren plant einen Giftgasanschlag auf das Münchner Oktoberfest. Sie schaffen es im Zuge der Vorbereitungen bereits Männer in den Zeltaufbau einzuschleusen, besetzen bei Beginn des Oktoberfestes das Beneditkiner-Zelt und halten alle anderen Besucher in den anderen Zelten als Geiseln. Sie behaupten alle Zelte mit Giftgas ausgestattet zu haben und sollte die Polizei versuchen eines der Zelte zu räumen, werden Menschen sterben. Die Situation wird immer dramatischer. Beim Versuch der Polizei ein Zelt zu räumen machen die Geiselnehmer ihre Drohungen wahr und setzen in dem Zelt Giftgas frei. Dabei sterben 2000 Menschen, Besucher und Polizisten. Im weiteren Verlauf ruft die Situation immer mehr Behörden und Spezialisten auf den Plan. Weitere Versuche das Zelt der Geiselnehmer irgendwie zu erreichen schlagen fehl und fordern noch mehr Opfer. Der einzige Mann der in dieser Situation noch helfen kann ist Poseidon oder Zerberus? Oder Herr Müller? Oder heißt der Mann Härter? Er ist Mitglied einer geheimen Spezialeinheit des Nachrichtendienstes, von dessen Existenz nicht einmal der Bundeskanzler weiß. Sogar die Bundeswehr wird hinzugezogen, um die innere Sicherheit zu gewährleisten. Als sich dann der Bundespräsident, das Staatsoberhaupt der Bundesrepubilk Deutschland, freiwillig als Geisel im Austausch mit den Geiseln eines Zeltes anbietet droht die Situation zu eskalieren. Ein wirres Katz und Maus Spiel zwischen Behörden und Geiselnehmern beginnt und die Frage ist: Woher wissen die Täter so viel über Deutschland? Wie haben sie es geschafft solch hochgefährliche Waffen und neuste Technik auf das Oktoberfest zu schmuggeln? Wie wollen sie fliehen? Und warum nehmen sie die Journalistin und Freundin von Werner Vogel, Amelie Karman, auf ihrer Flucht als Geisel mit?

Ein äußerst spannender Thriller, der trotz seiner 600 Seiten auf keiner Seite langweilig war. Sogar am Anfang der Geschichte, in der über den Werdegang von Romberg und Vogel geschrieben wird ist man sich ständig darüber bewusst, dass gleich etwas passieren wird. Durch die verschiedenen Perspektiven schafft Christoph Scholder eine unglaubliche Spannung und man fühlt sich mitten im Geschehen. Durch Zeitsprünge erfährt der Leser langsam alles über die Planung und Beschaffung der Täter. Am Schluss spitzt sich die ganze Situation sogar noch dramatisch zu. Ein sehr interessanter Charakter ist dabei der, des „BKA-Manns Müller“ bzw. des Dr. Röhli bzw. des Kapitäns zur See Härter. Er ist etwas wie der deutsche James Bond. Mit klugem Kopf, viel Verbindungen und enormem Kampfgeist versucht er hinter das Geheimnis der Täter zu kommen und ihnen so das Handwerk zu legen.

Im Laufe des Buches bekommt man manchmal den Eindruck, dass Christoph Scholder etwas Kritik an der deutschen Bürokratie übt, bei der die eine Hand nicht weiß, was die andere tut und bei der Revierkämpfe verschiedener Behörden nichts beschleunigen, sondern nur verlangsamen. Am Ende des Buches wirken manche Dinge leider etwas zu vorhersehbar und leicht konstruiert, allerdings trübt das in keinem Fall den Spaß am Buch und tut der Spannung auch nichts.

Ich möchte mich bei Droemer Knaur recht herzlich für dieses Exemplar bedanken, denn ohne die netten Menschen dort hätte ich das Buch wohl trotz des Lobes nicht gelesen! Wer sich immer noch nicht sicher ist, ob er das Buch lesen soll oder nicht, dem kann ich nur raten: TU ES! Es lohnt sich! 5/5 Sternen!